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Alte Stadtkirche (Pforzheim)

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Alte Stadtkirche
Ruine der alten Stadtkirche
Pforzheim, Ruine der alten Stadtkirche, Tympanon mit Relief des lehrenden Christus, 1898, Bildhauer W. P. Behrmann aus Altona und Fidel Binz aus Karlsruhe

Die Alte Stadtkirche war ein historisches Gebäude an der Rennfeldstraße 2 in Pforzheim. Sie stand von 1899 bis 1962 auf der Halbinsel zwischen Enz und Nagold beim Lindenplatz und war über die Auerbrücke zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Baugestalt

Die erste evangelische Stadtkirche in Pforzheim war ab 1586 die ehemalige Dominikanerkirche, die 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wurde. Ein Nachfolgebau von 1711 brannte am 18. Mai 1789 ab.[1] Es gab zwar rasch Pläne zum Bau einer neuen Stadtkirche, doch für lange Jahre diente die Pforzheimer Schloßkirche als Ersatz. Gleichzeitig begannen langwierige Planungen für den Bau einer neuen, repräsentativen Stadtkirche. Entwürfe kamen im Jahre 1816 von Friedrich Weinbrenner der eine neue Kirche plante, die sich im Grundriss ziemlich genau mit dem abgebrannten Vorgängerbau deckte, aber einen neuen Westturm hatte.[1] Der Bauplan von Heinrich Hübsch aus dem Jahre 1829, der eine zweitürmige Fassade vorsah, sollte umgesetzt werden. Dieser Neubau wurde jedoch 1831 aufgegeben.[1] Im März 1895 wurde mit dem Bau der Alten Stadtkirche angefangen. Der Bau wurde auf 604 000 Mark veranschlagt.[2]

Am 10. Mai 1896 erfolgte die Feierliche Grundsteinlegung der Stadtkirche am Lindenplatz.[3]

Die Einweihung der neogotischen Kirche mit Einturmfassade erfolgte am 28. Mai 1899.[4][5][6] Dem Bau war ein reichsweiter Wettbewerb vorangegangen, den der Architekt Carl Voß (* 25. Januar 1850 in Altona; † 13. Oktober 1937 in Burg/Insel Fehmarn) gewonnen hatte.[7] Voß war ein früherer Mitarbeiter von Johannes Otzen, dem „wichtigsten preußischen Kirchenbaumeister des 19. Jahrhunderts“,[7] dessen neogotische Kirchenbauten in der Nachfolge Karl Friedrich Schinkels standen. Das Bauwerk wurde nach Plänen und unter der Leitung des Architekten Carl Voß im Zeitraum von vier Jahren mit einem Kostenaufwand von rund 750.000 Mark errichtet. Voss hatte von 1871 bis 1875 an der Polytechnischen Schule in Hannover Architektur studiert und war Schüler von Conrad Wilhelm Hase.[8] Von 1897 bis 1904 war er als Architekt in Kiel tätig, anschließend in Hamburg, wo er in den 1880er Jahren an der Allee 97 in Hamburg-Altona die Villa Carl Voss erbaute. Von 1886 bis 1887 erbaute Voß an der Landwehr 47 im Hamburg ein Mietshaus und im Jahre 1888 erbaute er das Evangelisches Vereinshaus der Stadtmission in Hamburg-Altona.[9] Ab 1900 war er Mitglied der Bauhütte zum weißen Blatt in Hannover.[10] Diese Stadtkirche war ein „imposanter neogotischer Bau mit Einturmfassade“,[11] mit „ihrem 80 Meter hohen Turm wurde sie zum Wahrzeichen Pforzheims“.[12] Sie wurde beim Angriff im April 1944 sowie beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 beschädigt. Die Sprengung der historischen Ruine[13] im Jahre 1962 erregte öffentlichen Protest, wie Christoph Timm feststellt: „So richtete sich 1962 öffentlicher Unmut gegen die Sprengung des alten Stadtkirchenturms, der inoffiziell längst als Mahnmal der Kriegszerstörung galt. Befürchtungen wurden laut, die Stadt werde bald als geschichts- und kulturlos dastehen.“[14] Am 21. April 1968 wurde an gleicher Stelle die neue Evangelische Stadtkirche Pforzheim geweiht.[12] Verschiedene Sandsteinblöcke wurden in der Fassade der Neuen Pforzheimer Stadtkirche wieder eingesetzt. Das historische Gerät für den Abendmahlsgottesdienst und der Grundstein sind erhalten geblieben. Der Taufstein aus der Alten Stadtkirche schmückt heute die Werktagskirche der Neuen Stadtkirche. Das Tympanon mit der Jesusfigur aus der ehemaligen Vorhalle am Haupteingang befindet sich heute im Atrium der Neuen Stadtkirche. [12]

Kruzifix

Der älteste Kunstschatz der Stadtkirche war ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert.[15] Das spätmittelalterliche Kruzifix bestand aus Lindenholz und war 1,33 Meter hoch.[15] Hände, Füße und Dornenkrone waren beschädigt. Es gehörte dem „Typus mit hängender Haarsträhne“[15] an und stammte ursprünglich aus dem Kreuzgang des Dominikanerklosters. Das Kruzifix stand auf einem verwitterten alten Steinsockel.[15] Links und rechts an den Seiten war jeweils ein Totenkopf im Steinsockel zu sehen.[15] Auf der Schauseite des Steinsockels war als Relief ein nach links kauerndes Tier (Hund oder Löwe ?) dargestellt, dessen Schwanz sich unter ihm bis zum Kopf ringelte.[15] Das Kunstwerk hatte die Brände von 1692 und 1789 überstanden und wurde 1899 in die neu erbaute Stadtkirche gebracht, wo das Kruzifix unter der Empore rechts vom Ausgang aufgestellt wurde.[15] In der Stadtkirche erinnerte eine Wandinschrift an sein Schicksal:

„Vom alten Kirchplatz hierher versetzt,
Bei den Bränden 1692 und 1789 wunderbar erhalten,
Ein teures Wahrzeichen und Altertum Pforzheims.
Gewechselt habe ich den Ort,
Doch segne ich fort und fort,
Die Flamme schadet mir nicht,
Ich zeuge von Liebe und Licht.“[16]

Das Kruzifix mit dem steinernen Sockel befindet sich heute in der Auferstehungskirche.[17]

Mathias Köhler schreibt das Kruzifix der Werkstatt Hans Multschers zu. Die Arbeit sei demnach eines der wichtigsten Werke der Ulmer Kunst aus der Zeit um 1440: „Die Verbindung zwischen einem Kruzifix und einem aufwendig gestalteten Sockel, der in seiner Gestaltung als Abbreviatur des Hinrichtungsorts Golgatha zu verstehen ist, kennen wir von zahlreichen besonders im südwestdeutschen Raum erhaltenen spätmittelalterlichen Friedhofskreuzen. Zu nennen sind hier … vor allem die berühmten und wegen ihrer einzigartigen künstlerischen Qualität herausragenden Kreuze von Hans Seyfer für St. Leonhard in Stuttgart [1501] und von Nicolaus Gerhaert van Leyden für den alten Friedhof in Baden-Baden [1467] … Die Entstehungszeit des Pforzheimer Christusbildes dürfte in die späten 1440er Jahre fallen, also noch zu Lebzeiten Hans Multschers … auf jeden Fall darf die bisher unpublizierte Skulptur zu den wichtigsten Werken der Ulmer Kunst um die Mitte des 15. Jahrhunderts gezählt werden.“[18]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Lacroix/Hirschfeld/Paeseler 1939, S. 263.
  2. Becht und Kremer 1996, S. 35.
  3. Becht und Kremer 1996, S. 41.
  4. Becht/Kremer 1996, S. 35.
  5. vgl. Evangelische Stadtkirche, Pforzheim. Mai 1895, Pforzheim 1895.
  6. vgl. Robert Gerwig: Gedenkschrift zur Erinnerung an die Einweihung der evang. Stadtkirche zu Pforzheim am 28. Mai 1890, Pforzheim 1909.
  7. 7,0 7,1 Timm 2004, S. 387.
  8. Herbert Mundhenke: Die Matrikel der Höheren Gewerbeschule, der Polytechnischen Schule und der Technischen Hochschule zu Hannover. Hildesheim 1988–1992 (3 Bände).Matrikel 5093
  9. Architekten- und Ingenieur-Verein Hamburg (Hrsg.): Hamburg und seine Bauten. 1. Auflage. Hamburg 1890.
  10. Günther Kokkelink und Monika Lemke-Kokkelink:Baukunst in Norddeutschland : Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. Hannover 1998.
  11. Lindenplatz In:Historische Stelen im Stadtbild
  12. 12,0 12,1 12,2 Geschichte der Stadtkirche
  13. Zweiter Weltkrieg: Der vernichtende Luftangriff auf Pforzheim - Bilder & Fotos - WELT. In: DIE WELT. (welt.de [abgerufen am 14. April 2018]). [1]
  14. Timm 2004, S. 100.
  15. 15,0 15,1 15,2 15,3 15,4 15,5 15,6 Lacroix, Hirschfeld und Paeseler 1939, S. 264.
  16. Timm 2004, S. 340.
  17. Timm 2004, S. 340 und 388.
  18. Köhler 2004.

Literatur

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