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Schlacht- und Viehhof

Von Stadtwiki

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Der Schlacht- und Viehhof Pforzheim

Über die Geschichte des Schlachthofes der Stadt Pforzheim liegen nur spärliche Urkunden vor. Es ist dies erklärlich, wenn man bedenkt, dass durch den Fliegerangriff am 23. Februar 1945 auf die Stadt, die Archive der Stadt fast vollständig zerstört wurden. Wenige Unterlagen wurden gefunden, die einen Einblick in die näheren Verhältnisse früheren Zeiten auf diesem Gebiet ermöglichen.

Die Metzelbank in hiesiger Stadt befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Waisenhausplatz vor der Heiliggeistspitalkirche. Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche zur Stadtmetzig umgebaut. Sie diente als herrschaftliche Metzig bis zum Verkauf an die Metzgerzunft im Jahr 1805. Es war nach einer Beschreibung von 1798 ein stattliches, zweistöckiges Gebäude, 90 auf 49 Fuß groß und lag an der Tränkgasse zwischen dem Schwertwirt Dittler (heute Deimlingstr. 20) und dem Gürtler Gottlieb. Im unteren Stock des Gebäudes wurden nach dem Umbau die Metzelbänke aufgestellt. Das Gebäude ging durch Kauf von der fürstlichen Verwaltung am 24. Mai 1805 um den Kaufpreis von 1400 Gulden an die hiesige Metzgerzunft über.

Die ersten Anordnungen, die den Fleischverkehr und die Fleischversorgung Pforzheims betreffen, finden sich in der Stadtverfassung vom Jahr 1491. In diesem Jahr hatte der regierende Fürst, Christoph I. von Baden, der Stadt Pforzheim eine Verfassung verliehen. Unter den besonderen Polizei-Anordnungen wurde für das Fleischergewerbe eine Metzgerordnung erlassen, die für die damalige Zeit recht interessante und beachtenswerte Vorschriften enthält.

Das frühere Schlachthaus am Waisenhausplatz wurde von der Metzgerzunft erstellt. Dieses Datum stimmt auch mit der über dem Türeingang anbrachten Jahreszahl überein. Es war nicht mehr festzustellen, ob das Gebäude sofort nach Erichtung als Schlachthaus verwendet worden ist, während des 0rleansschen Krieges 1688-1694 wurde anscheinend auch das Schlachthaus durch die Franzosenbrände zerstört, so daß der Metzgerzunft am 1.12.1696 der fürstliche Befehl erteilt wurde, wieder ein Schlachthaus aufbauen zu lassen. Entweder stellte die Zunft daraufhin nur das beschädigte Schlachthaus wieder her, oder sie baute das Haus am Waisenhausplaiz Nr. 8 zum Schlachthaus um.

Eine Ausnahmestellung nahmen die Juden ein. Am 9. November 1717 wurde sämtlichen Juden in Stadt und Land der Handel mit Fleisch, sowie das Schlachten und Schächten von Vieh, mit Ausnahme von Geisen und Böcken verboten. Sie durften das Vieh, welches für ihren eigenen Haushalt nötig war, nur bei christlichen Metzgern schächten. Diese waren aber angewiesen, die Juden in ihren jüdischen Zeremonien beim Schächten der Schlachttiere nicht mutwillig zu stören.

Die Metzelordnung vom Jahr 1491 ist im Jahr 1776 revidiert und in einzelnen Punkten abgeändert worden. Darnach war es bei Androhung von Strafen untersagt, Übertretungen der Ordnung um Wein und Zechen zu strafen.

Die Metzelordnung vom Jahr 1776 ist mit Wirkung vom 13. April 1778 vom Oberamt und Stadtrat mit Genehmigung des Markgrafen durch eine neue, freie Metzgerordnung ersetzt worden. Danach durfte jeder Metzger in seinem Fach so viel Tiere schlachten, wie er Fleisch verkaufen konnte. Durch die frühere Metzelordnung war der Metzger an eine gewisse Stückzahl, die er in einer Woche schlachten und das Fleisch davon verkaufen durfte, gebunden.

Die Metzgerzunft erbat die Beteiligung der Stadt bei der Bauunterhaltung, da größere Instandsetzungsarbeiten notwendig wurden. Die Stadt lehnte es jedoch ab, zu den Kosten beizutragen, da die Metzgerzunft alle Vorteile vom Schlachhaus aIs ihrem Eigentum habe und dazu noch Miete für die im Gebäude sich befindlichen Wohnungen einnähme, ferner erhebe die Zunft von jedem Fremden, hier angenommenen Meister, einen Beitrag zur Erhaltung des Schlachthauses. Die Zunft besitze außerdem noch 1 ½ Morgen Garten,der ebenfalls zur Deckung solcher Unkosten verwendet werden könne. Auch das 0beramt war der Ansicht, daß der Stadt unter den obwaltenden Umständen nicht zugemutet werden könne, einen Beitrag zur Erhaltung des Schlachthauses zu leisten. Durch Verfügung des Markgrafen, vom 22.6.1782, wurde die Metzgerzunft angewiesen, die Instandsetzungskosten zu übernehmen.

Um den Klagen der Metzgerzunft betreffs des Fleischverkaufs und Hausierens der Juden ein Ende zu machen, wurde 1784 in Gegenwart des Obervogts Wieland vor versammelter Zunft und Judenschaft bestimmt, daß jeder Jude die Personenzahl seiner Familie genau angeben solle (15 Familien mit 85 Köpfen), worauf pro Kopf und Jahr 90 Pfund Fleisch zugestanden wurden. Jeder Jude mußte sich ein Büchlein halten, worin vom Zunftmeister die Berechnung des gekauften und geschächteten Fleisches gewissenhaft eingetragen wurde.

Zur Erweiterung des Schlachthauses kaufte die Metzgergenossenschaft noch das nebenan gelegene Haus (früher unteres Bad) und noch das Hospital hinzu. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Wohnungen und Werkstätten eingerichtet.

Das Großherzogliche Bezirksamt regte die Erstellung eines größeren städtischen Schlachthauses außerhalb der Stadt an. Die Stadt verhielt sich aber zunächst ablehnend, ebenso im Jahr 1883, obwohl der 0rtsgesundheitsrat und die Gutachter der Erstellung eines neuen Schlachthofes dringend das Wort redeten. Man verneinte die Bedürfnisfrage. Die bei weiteren Drängen der Regierung unternommenen Versuche der Metzgergenossenschaft und der ,Stadtverwaltung das alte Schlachthaus am Waisenhausplatz zu erweitern, bzw. durch einen Neubau zu ersetzen, scheiterten an der ablehnenden Haltung des Bezirksrats und des Ministeriums, die den Standpunkt einnahmen, dass die großen Mißstände, die sich aus der Lage des Schlachthauses im Mittelpunkt der Stadt ergeben, durch einen Erweiterungs- bzw. Neubau nur vermehrt werden.

Nach langen Verhandlungen beschloß der Bürgerausschuß am 01.11.1886 einen Neubau auf dem zu diesem Zweck erworbenen Gelände im Brüh zu erstellen.

Am 10. Dezember 1888 wurde der neue Schlachthof eingeweiht. Die Verwaltung des Schlachthofes übertrug man dem staatlichen Bezirkstierarzt, Veterinärrat Heinrich Berner, der sich bis kurz vor seinem Tode am 1. Oktober 1903, große Verdienste um die Entwicklung der Anlage erwarb.

An Berners Stelle im Staatsdienst trat Ende 1903 der Bezirkstierarzt Steibing. Er versah gleichfalls die Stelle des Schlachthofvorstandes im Nebendienst. Am 01. Juni 1905 jedoch trat Steibing aus dem städtischen Dienst und schon am 01. Juli übernahm Karl Schönweiler vom Schlachthof Stuttgart die Stelle als Schlachthofvorstand in Pforzheim.

Am 3. März verstarb Direktor Schönweiler plötzlich an einem Schlaganfall. An seine Stelle wurde mit Wirkung vom 1. August 1908 der städtische Tierarzt Dr. Martin vom Schlachthof Karlsruhe zum Nachfolger ernannt.

Die Stadt Pforzheim zählte im Jahr 1888 29.000, 1897 39.000 und 1910 rund 78.000 Einwohner. Mit dem starken Anwachsen der Bevölkerung konnte die Schlachthofanlage den Anforderungen, die an einen solchen Betrieb gestellt wurden, nicht mehr genügen. Die Verhältnisse wurden im Lauf der Zeit vollständig unhaltbar, weshalb die Stadt auf der Suche nach einem geeigneten Gelände war.

Am 12. Dezember beschloß der Bürgerausschuss, dass ein Schlachthofneubau mit Viehhof im Norden der Stadt auf dem Gelände östlich der Hohenzollernstraße, nördlich der Bahn projektiert werden sollte. Die Gesamtgröße des Grundstücks betrug rund 39.000 qm. Der neue Schlacht- und Viehhof war für eine Einwohnerzahl von 120 - 150 Tausend projektiert und erweiterungsfähig für eine Einwohnerzahl von etwa 200.000.

Durch Bürgerausschußbeschluß vom 6. März wurde für Geländeerwerb der Betrag von 336.411 Mark aus Anleihemitteln bewilligt. Am 14. Oktober wurde durch den Bürgerausschuß: 1. Das vom Hochbauamt bearbeitete Neubauprojekt für einen Schlacht- und Viehhof grundsätzlich genehmigt, 2. Für die Ausführung der Erd- und Fundamentierungsarbeiten, des Gleisanschlusses, der Straßenherstellung und Entwässerungsarbeiten ein Betrag in höhe von 617.150 Mark aus Anleihemitteln zur Verfügung gestellt.

Die Vorarbeiten waren im August beendet. Die Absicht, die Gesamtanlage bis Anfang 1916 fertigzustellen, wurde jedoch durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges im August 1914 vereitelt.

Trotz Rückgang der Schlachtungen während des Krieges, hatte die Stadtverwaltung in diesem Jahr die Markthallen für Großvieh und Kälber erstellt, um die städtische Nutzviehhaltung, die zur Verbesserung der Milchversorgung der Bevölkerung diente, zu unterstützen.

Nach dem Krieg und nach Aufhebung der Zwangswirtschaft steigerte sich der Schlachtbetrieb wieder wesentlich. Insbesondere wurden durch die Einführung von Schlachtviehmärkten im Jahr 1924 im neuen Viehhof die Anlieferungen von Schlachttieren in hiesiger Stadt stark gefördert. Dadurch machte sich vor allem der Ausbau des neuen Viehhofs erforderlich. In den Jahren 1922 - 1930 wurden die Gleis- und Rampenanlagen, das Sanitäts- und Pferdeschlachthaus sowie der Restbestandshof erstellt. 1929 wurde die neue Schweinemarkthalle mit einem Bauaufwand von 205.000 M in Angriff genommen und 1930 vollendet. Der Viehhof war somit dem Bebauungsplan entsprechend im Jahr 1930 in Betrieb.

Durch Bürgerausschußbeschluß vom 5. Januar 1933 wurden die Mittel für den ersten Bauabschnitt des Schlachthauses in Höhe von 330.000 RM genehmigt. In den Jahren 1933, 1934 wurde der Bauabschnitt ausgeführt. Eine Entlastung für den alten Schlachthof wurde aber dadurch nicht wie vorgesehen erreicht, da der Abhänge- und Vorkühlraum nicht mit den erforderlichen Einrichtungen versehen wurde. Der bewilligte Kredit war aufgebraucht und da weitere GeldmitteI nicht zur Verfügung standen, ruhte der Neubau vollständig. Der Betrieb war nach wie vor auf die alte Anlage angewiesen. Um die bestehenden Mißstände daselbst zu mildern, wurden auf Antrag der Metzger in den Jahren 1938, 1939 im alten Schlachthof noch einige Umbauten und Verbesserungen der Einrichtungen vorgenommen.

Auch über den zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren hat die Stadtverwaltung einen großen Teil der Gebäude für die Durchführung der Bewirtschaftung der Lebensmittel in Anspruch genommen. Im Kriegsjahr 1942 wurde zur Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln auf dem Schlachthofgelände ein gesonderter Bunker dafür erstellt. All diese Einrichtungen haben der Stadtverwaltung auch nach dem Bombenangriff auf die Stadt wertvolle Dienste geleistet.

Durch den Fliegerangriff auf Pforzheim am 23. Februar wurde die alte Schlachthofanlage vollständig zerstört. Der Schlachtbetrieb mußte in die Neuanlage verlegt werden, die glücklicherweise nur unerheblich beschädigt wurde. Da die Schlachthallen noch nicht erstellt waren, wurde der Schlachtbetrieb im Sanitäts- und Pferdeschlachthaus durchgeführt.

Am 1. Januar wurde der bisherige Schlachthofdirektor Dr. Martin nach 37jähriger Tätigkeit als Leiter des Schlacht- und Viehhofs in den Ruhestand versetzt. Als sein Nachfolger wurde der seit 1. 0ktober 1945 zum Stadttierarzt bestellte approbierte Tierarzt Dr. Wolf aus Öschelbronn ernannt.


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