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Buckenberg-Kaserne

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Heimatschutzstil: Buckenbergkaserne, 1935/1936.
Luftbild der Kaserne
Ehemaliges Kasernentor im Mai 2007
Kantinenbau

Die Buckenberg-Kaserne war ehemals eine Kaserne im Pforzheimer Stadtteil Buckenberg. Der Haupteingang zum Gelände befand sich an der Straßenecke Strietweg und Straße des 3. Husarenregiments. Das Kasernengelände ist über 18 Hektar groß. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der Kaserne wurden, bis auf wenige Ausnahmen, 2007 abgerissen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1936-1945: Wehrmacht

Der Baubeginn der Buckenberg-Kaserne 1935 geschah unter dem Vorwand der Errichtung einer Polizeikaserne, da Pforzheim nach dem Versailler Vertrag in der entmilitarisierten Zone lag[1]. Der Erstbezug der Kaserne war im Oktober 1936 nach der Übergabe an die Wehrmacht. Ab Oktober 1936 fand hier die militärische Ausbildung statt: Das Infanterieregiment 111 war beteiligt beim Angriff auf die Niederlande, Frankreich und die Sowjetunion, die 35. motorisierte Grenadierdivision – Ausbildung von 1940 bis 1944 in der Buckenberg-Kaserne – war ebenfalls beteiligt beim Angriff auf die Sowjetunion[2].

1939 wurde Wilhelm Knodel aus Kieselbronn eingezogen; er weigerte sich, den Fahneneid zu leisten und eine Waffe in die Hand zu nehmen. Einem Gutachten der Uni-Klinik Tübingen verdankte Wilhelm Knodel sein Leben: er musste eine Zeitlang in einer Stuttgarter Kaserne in der Küche arbeiten und wurde dann entlassen (s.u. Jubiläumsschrift) Ab 1939 gab es immer wieder standrechtliche Erschießungen in der Kaserne, Zahl, Gründe (Desertation, Befehlsverweigeung) und Urteile sind noch unbekannt[3].

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren folgende Truppenteile der Wehrmacht in der Buckenberg-Kaserne untergebracht[4]:

Fronttruppenteile

Ersatztruppenteile

Kommandobehörden

1945-1996: US- und französische Armee ("Quartier Burnol")

Sie haben sich heute auf den Weg gemacht, um zum Tag der offenen Tür
des 3. Husarenregiments zu gehen. Für uns Soldaten hat er harte Arbeit
bedeutet, Ausgangssperre und Überstunden. Weshalb dies alles?
Man will er Bevölkerung eine spiegelblanke Kaserne vorführen,
schöne Räume, gutes und reichliches Essen, zufriedene Soldaten.
WIR WISSEN, DASS DAS ALLES NUR ZUM SCHEIN GEMACHT WIRD
DIE WIRKLICHKEIT SIEHT ANDERS AUS:
Das Essen ist ungenießbar
Wir haben nicht genügend sanitäre Einrichtungen
Alle Räume sind überfüllt
Man ist so gnädig, uns 40 DM im Monat auszuzahlen
Man erpresst uns mit Ausgeherlaubnis und handhabt sie völlig willkürlich
Unsere Briefe werden nicht selten geöffnet
Es ist nicht erlaubt zu lesen, was man will.
WIR KENNEN NUR EIN EINZIGES RECHT: MAUL HALTEN
WER PROFITIERT VON DIESEM TAG DER OFFENEN TÜR ?
Das Geld, das Sie dort ausgeben, kommt bestimmt nicht den Soldaten zugute, es geht an die Armee.
Wir machen gegen unseren Willen mit. Dieser Tag ist eine Propaganda-veranstaltung, die eine Armee
durchführt, die gegen streikende Arbeiter in Frankreich vorgeht. Ihr einziges Ziel ist es uns einzusperren.
SPRECHEN SIE MIT DEN SOLDATEN ÜBER DIESE PROBLEME
INFORMIEREN SIE IHRE UMGEBUNG ÜBER DIE VERHEERENDEN ZUSTÄNDE, UNTER DENNEN WIR LEBEN:
Das Komitee der Soldaten des 3. Husarenregiments


1996-2009: Zivile Nutzung

Nach 1996 begann eine lange Zeit der Bestrebungen nach einer zivilen Umnutzung. Regionale Initativen wollten eine Nutzung durch Studentenwerk, Kunstschaffende und örtlichen Einzelhandel. Der Pforzheimer Gemeinderat lehnte einen Erwerb des in Bundeseigentum befindlichen Kasernengeländes 1999 ab und setzte auf private Investoren. Ein Wettbewerb, der den Erhalt der denkmalgeschützten Mannschaftsgebäude vorsah, führte jedoch zu keinem Erfolg.

Schließlich fand sich eine Investorengruppe, die das Gelände neu bebauen will, den Erhalt der historischen Mannschaftsgebäude aus wirtschaftlichen Gründen jedoch weitgehend ablehnt. Aus diesem Projekt ging die Konversionsgesellschaft Buckenberg hervor. Am 19. Dezember 2006 verabschiedete der Gemeinderat einen entsprechenden Bebauungsplan, so dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das 20 ha große Gelände am 21. Dezember an die Konversionsgesellschaft verkaufen konnte.

seit 2009: Abriss und Neubauten

Der Masterplan der Konversionsgesellschaft Buckenberg sieht vor, die bestehenden Gebäude größtenteils abzureißen. Erhalten bleiben sollen die alte Waffenschmiede und die Pferdeklinik sowie die vorhandenen Biotope und der alte Baumbestand. In den Jahren 2008 und 2009 sollen auf dem Gelände 300 Wohneinheiten sowie ein Verbrauchermarkt und weitere Einrichtungen entstehen. In neueren Artikeln der hiesigen und städtischen Medien wird das Areal jetzt als "Tiergarten" bezeichnet, was insofern irreführend ist, als dass der nahegelegene "Tiergarten" in Pforzheim "Wildpark" heißt und nicht im direkten Zusammenhang mit der ehemaligen Kaserne steht. Dennoch gab es bereits eine Tiergartenstraße.

Kulturdenkmal

Wandrelief
Wandrelief

Die Buckenberg-Kaserne wurde von 1935 bis 1936 für die deutsche Wehrmacht nach den Plänen des Regierungsbaurats Karl Köllmel im barockisierenden Heimatschutzstil errichtet. Mehrere Pforzheimer Künstler, wie Max Kassube, Oskar Loos, Edward Mürrle und Emil Salm, schufen die Entwürfe für den Bauschmuck. Alle Gebäude waren „in Anlehnung an barocke Vorbilder im Sinne des traditionistischen Stils der Stuttgarter Bauschule mit Kunststeingewänden, Bauschmuck und Sprossenfenstern gestaltet.“[11]

Die künstlerische Gestaltung „mit Kunststeingewänden und Bauschmuck geht deutlich über den andernorts üblichen Aufwand hinaus, wobei Künstler der Pforzheimer Kunst- und Gewerbeschule mitwirkten.“[12]

Bauschmuck

Kantinenbau

Über dem Mitteleingang des Kantinenbaus befand sich ein blockartiges Wandrelief. Dieses bestand aus Kalkstein und zeigten den Heiligen Georg, als Drachentöter zu Pferde. Der Heilige Georg ist der Schutzpatron der Soldaten. Der Künstler des Werks ist unter den beteiligten Bildhauern, wie Max Kassube, Oskar Loos, Edward Mürrle und Emil Salm, zu finden.

Mannschaftsgebäude

Allegorische Reliefs befanden sich über den Treppenhausfenstern der früheren Mannschaftsgebäude mit verschiedenen Motiven:

Farbglasfenster

Kantinenbau

Im Kantinengebäude schmückten zwei Farbglasfenster das Treppenhaus mit genrehaft, historisierenden Szenen, geschaffen von Emil Gaiser:

Andere Gebäude

Auch in den anderen Gebäuden schmückten Farbglasfenster von Emil Gaiser repräsentative Räume der Kaserne.

Lageplan

Lageplan-Openstreetmap
1 = Wachgebäude mit Arrestzellen
2 = Wachgebäude mit Gendarmerie-Station
3 = Stabsgebäude (Kommandantur/Verwaltung)
4 = Unterkunftsgebäude
5 = Kantine/Mensa
6 = Munitionsdepot (Handwaffen)
7 = Parkplatz (Zivil) (Wohnwagen)
8 = Kirche
9 = Lazarett
10 = Sammelplatz
11 = Fahrzeughalle (Transport)
12 = Fahrzeughalle (VAB)
13 = Schwimmbecken
14 = Unteroffiziersheim
15 = Kino
16 = Fahrzeuggarage (Peugeot-G/VBL)
17 = Waffenschmiede
18 = Fahrzeug-Reparaturwerkstatt/Tankstelle
19 = Materiallager/Munition (Fahrzeuge)
20 = Turnhalle
21 = Panzerschiessstand
22 = Fahrzeughalle (AMX 10 RC/VAB)
23 = Materiallager/Wachgebäude
24 = Fahrzeughalle (AMX 10 RC)
25 = Fahrzeughalle (VAB-HOT)
26 = Fahrzeug-Wartungsrampe
27 = Unterkunft/Wache
28 = Parkplatz (Militär)
29 = geplantes Gebäude (nie vollendet) (U.S.)
30 = Tennisplatz (U.S.)
31 = Hundezwinger (U.S.)
32 = Garage und PX Store (U.S.)
33 = Unterkunftsgebäude (U.S.)
34 = Hindernissbahn/Waldkampfbahn
35 = Sportplatz
36 = Seilturm
37 = Exerzierplatz
38 = Panzerstrasse
39 = Privatwohnungen
40 = ABC-Trainingscenter
41 = Offiziersheim

Einzelnachweise

  1. Pforzheimer Kurier vom 28.4. 2007
  2. Pforzheimer Kurier vom 6.5. 2007
  3. Zier S. 323
  4. nach www.Lexikon-der-Wehrmacht.de/Kasernen/Wehrkreis05/KasernenPforzheim-R.htm
  5. Pforzheimer Zeitung (PZ) vom 13.10. 1986
  6. Groh, Das war das 20.Jahhrundert... S.55
  7. PZ vom 31.5. 1996
  8. PZ, 19.10. 1981
  9. PZ, 19.10. 1981
  10. PZ 30.5.1996, 1.6.1996, 8.6.1996
  11. Buckenberg- (Burnol-) Kaserne. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 456-458, hier S. 457.
  12. Buckenberg- (Burnol-) Kaserne. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 456-458, hier S. 458.

Literatur


Weblink

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